Der altehrwürdige Typografie-Meister Jan Tschichold verglich gelungene Typografie einmal mit einem Diener: Anwesend, aber nicht bemerkbar; unauffällig, aber gleichzeitig eine Voraussetzung für das Wohlbefinden.

 

Die richtige Zeilenlänge im Zusammenhang mit der Schriftgröße fördert den Lesefluss

Die Zeilenlänge im Satzspiegel und damit die Zeichenmenge ist entscheidend für einen optimalen Lesefluss und bedingt somit die gute Lesbarkeit von Texten.

Lange Zeilen unterbrechen den Lesefluss, da Leser den Anfang der neuen Zeile erst suchen müssen. Kurze Zeilen hingegen wirken unübersichtlich und ermüden den Betrachter schnell.

Die Wahl der richtigen Zeilenlänge differenziert sich je nach Medium: Magazine, Broschüren und Flyer sollten mehrspaltig angelegt sein, um eine optimale Lesbarkeit des Copytextes zu gewährleisten.

Ein Richtwert sind etwa sechs bis zehn Wörter (Superzeichen) oder 40 bis 50 Zeichen pro Zeile. Bei Büchern hingegen kann die Zeilenlänge länger sein und bis zu 80 Zeichen (inklusive Leerzeichen) betragen.

 

Ein optimaler Zeilenabstand führt zu besserer Lesbarkeit

Ein weiterer Faktor ist der Zeilenabstand = Schriftgrad+Durchschuss. Der Durchschuss ist der textfreie Raum zwischen zwei Zeilen und beträgt üblicherweise ein Fünftel Zugabe zur Schriftgröße. So ergibt sich zum Beispiel bei einem Schriftgrad von 12 pt ein Zeilenabstand von 14,5 pt (aufgerundet).

Auch Schriftart, Schriftlaufweite oder Zeichenbreite haben einen Einfluss auf den Zeilenabstand. Entscheidend ist dass das Auge des Lesers den nächsten Zeilenanfang schnell und einfach findet.

Es gilt die typografische Faustregel: „Je länger die Zeile, desto größer der Zeilenabstand“.

 

Die Satzformen: axialer Flattersatz und Blocksatz

Ebenfalls relevant für eine gute Typografie ist der Schriftsatz (Satzform). Die gängigsten Satzformen sind der Block- und Flattersatz (linksbündig, rechtsbündig oder mittelachsig).

Bei längeren, umfangreichen Fließtexten empfiehlt sich der Blocksatz, da hier die Abstände der Superzeichen (=Worte) gleichmäßig angepasst werden. Durch ein ausgeglicheneres Schriftbild wird der Lesefluss angenehmer gestaltet.

Der Flattersatz findet hingegen bei kürzeren Texten seine Verwendung.

Beide Satzarten sollten vor dem Veröffentlichen manuell kontrolliert werden, um ein möglichst schönes Textbild zu sichern.

Beim Blocksatz kann es vorkommen, dass einzelne Worte aufgrund eines längeren nachfolgenden Wortes zu stark auseinandergezogen werden.

Beim Flattersatz sind »Hurenkinder« (letzte Zeile eines Absatzes alleinstehend auf der nächsten Seite) und »Schusterjungen« (erste Zeile eines Absatzes als letzte Zeile der Seite) umbedingt auszuschließen.

 

Der Kontext bestimmt die Schriftart um Textinhalte zu Unterstützen

Die Satzschrift sollte immer gut lesbar sein und über einen großen Zeichenvorrat, mit Umlauten und Sonderzeichen, verfügen. Wichtig ist, dass die Wahl der Satzschrift zur Aussage des Textes und zum Kontext passt.

Eine Werbebroschüre für eine Anwaltskanzlei sollte zum Beispiel nicht in einer verschnörkelten Schreibschrift verfasst sein, während für einen Blumenladen eine schlichte und nüchterne Satzschrift unpassend wäre.

Mit Schriften lassen sich Gefühle und Stimmungen vermitteln und verstärken. Um Hervorhebungen oder Abgrenzungen zu schaffen, können verschiedene Satzschriften gemischt werden – hierbei sollten nicht mehr als zwei Schriftarten verwendet werden, um Disharmonien zu vermeiden.

 

Gute Typografie und Worttrennung

Worttrennungen sind in langen Texten oft unumgänglich. Um falsche Assoziationen oder Lesarten zu vermeiden, müssen Trennungen stets überprüft werden.

Auch zu viele Worttrennungen am Zeilenende hintereinander sind zu vermeiden und hierbei gilt: niemals mehr als 3 Worttrennungen hintereinander!

Zwei wichtige Punkte sind auch: Headlines und Abkürzungen prinzipiell niemals trennen, wie auch Zahlen mit ihren Bezeichnungen bzw. dazugehörigen Wörtern.

Weitere Punkte für ein gelungenes typografisches Werk, seine optimale Darstellung und Wirkung sind natürlich die korrekte Rechtschreibung und Grammatik, neben einer eindeutigen Zielgruppendefinition vor dem Beginn der Satzarbeiten, wie z. B. dem Zweck des Textes.